„Legba – Sakrale Stätten in Benin“

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Am Samstag, 29.10. um 15h ein Gespräch über die Ausstellung mit dem Initiator Philipp Schiemann.

von Philipp Schiemann

Die Ausstellung

Die in dieser Ausstellung gezeigten Bilder habe ich im Nov. 2021 an verschiedenen Orten in Benin, Westafrika, aufgenommen. Sie zeigen zumeist Plätze, die von den Göttern und Geistern der traditionellen Religion Vodun (besser bekannt als „Voodoo“) bewohnt werden bzw. eine Schnittstelle zwischen ihnen und den Menschen bilden. Einige Fotos porträtieren zudem Würdenträger/-innen dieser Stätten.

Im Vordergrund der Schau jedoch steht Legba, ein launisch–schelmischer Gott, der in weiten Teilen des Landes Häuser, Dörfer und manchmal sogar ganze Regionen bewacht. Ihm gebührt bei jeder Vodun-Zeremonie das erste Opfer, denn Legba stellt die Verbindung zwischen den Menschen und den übrigen Göttern her und übermittelt ihre Botschaften. Wird Legba übergangen, stört oder verfälscht er gerne die Kommunikation und kann so im schlimmsten Fall für ein metaphysisches Fiasko sorgen und das Gelingen traditioneller Zeremonien vereiteln.

Die Ausstellung „Legba – Sakrale Stätten in Benin“ ist einerseits als Verbeugung vor der traditionellen Religion Benins gedacht und soll andererseits meinen deutschen Landsleuten eine erste Berührung mit ihr ermöglichen. Mögen die Besucher/-innen die gleiche Faszination beim Betrachten der Fotos empfinden wie ich zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme.

Begleitend zum Rundgang steht ein aus mehreren Seiten bestehendes Text-Handout zur Verfügung, das weiterführende Infos zu Vodun und seinen Göttern und Geistern enthält. Gerne beantworte ich Ihre Fragen zum Thema, soweit möglich, auch persönlich.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und bereichernde Momente beim Besuch der Ausstellung!

Zur Person und Motivation

Philipp Schiemann, geboren 1969 in Düsseldorf, ist Schriftsteller und gelernter Mediengestalter. Als freier Autor veröffentlichte er seit 1995 diverse Prosa- und Lyrikbände sowie mehrere Hörbücher. Von 1996 bis 2005 ausgedehnte Lesereisen durch Deutschland, Gastauftritte in Schweden, Österreich, der Schweiz, Tschechien und den USA. Diverse Preise und Stipendien. Ab 2003 entstanden Texte, die sich thematisch mit Westafrikas Naturreligionen befassen, ein Großteil davon wurde zwischen 2018 und 2020 in fünf Sprachen übersetzt.

„Was damals mit der Recherche für die Entwicklung einer fiktiven afrikanischen Protagonistin in einem meiner Romanprojekte begann, wurde zu einem selbstständigem Bereich, der mich neben meinen Prosaarbeiten seit nunmehr zwanzig Jahren fesselt“, so Schiemann. Die Ursachen dieser tiefen Beziehung benennt er wie folgt:

„Mein Antrieb erwuchs zunächst aus der Begeisterung angesichts der auf Reisen gesehenen Figuren und Altäre, später aber vor allem aus der Offenbarung, dass die traditionelle Religion Westafrikas elementar von einer ungeheuren, hochgradig beeindruckenden Kreativität durchwirkt ist. Hier zeigt sich ein gewaltiges, an westlichen Verhältnissen gemessen gänzlich unverbildetes, undressiertes und ungezähmtes Kreativpotential, das sich auf äußerst komplexe wie interessante Weise in permanenter Auseinandersetzung mit allen Problemen menschlichen Seins befindet und sich aus ebendiesem Spannungsfeld heraus in Göttern, Geistern, übersinnlichen Kräften und Methoden des Umgangs mit ihnen manifestiert.“

Die aktuelle Schau „Legba – Sakrale Stätten in Benin“ legt davon beredt Zeugnis ab.

Was bleibt noch zu sagen? Nach fast 15 Jahren Ortsabwesenheit lebt Schiemann seit Mai 2021 wieder in seiner Geburtsstadt Düsseldorf. Nach einer Afrika-Trilogie zusammen mit dem Fotografen und Ethnologen Henning Christoph, bei der Schiemann die Textregie führte („African Secrets“, „Soul Of Africa“ und „Voodoo Rainbow“, alle publiziert bei Könemann, Köln), erschien 2020 mit „Rockstar 5.0“ ein neues Prosastück (Killroy Media, Ludwigsburg). Im Juli 2022 wurde das neue Audio-CD-Hörbuch „Das große Raubtier weint bitterlich“ veröffentlicht, das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Schiemann (Prosa & Stimme) und Frank Bauer (Musik & Technik) ist. Aktuelle Infos siehe WWW.PSCHIE.DE

Als ergänzendes Begleitwerk zur Ausstellung ist der 2017 erschienene Band „Mami Wata, die afrikanische Loreley. Eine Annäherung an die traditionelle Religion Westafrikas“ in streng limitierter Edition erhältlich.

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