Als die Graf-Adolf-Straße Unterhaltungsmeile war

Das Arabische Café an der Graf-Adolf-Straße um 1900

Mit der Industrialisierung Ende des 19. Jh. war die Stadt Düsseldorf schnell gewachsen und erfuhr einen umfassenden Umbau und Erweiterung. 1891 wurde der Hauptbahnhof eröffnet, und 1983 der Märkische Bahnhof am Graf-Adolf-Platz niedergelegt. Die Graf-Adolf-Straße sollte das elegante belle Entreé zur Kö und zur alten Innenstadt werden, mit Gastronomie, Hotels und Unterhaltungsstätten.

Auf dem ehemaligen Gleisgelände bot sich nun ein durchgehendes Grundstück von der Kö bis zur Oststraße. Hier entstand ein langgestreckter Komplex, 1895 geplant vom Architekten Peters und gebaut von Boswau & Knauer, ein orientalisch anmutender Bau mit mehreren Kuppeln und einem Minarett: das Arabische Café. Im Erdgeschoss befand sich das erste Düsseldorfer Selbstbedienungsrestaurant und in der ersten Etage das von der Firma Moritz & Görlich betriebene Café im arabischen Stil. Gäste konnten sich in den reich verzierten und mit Kamelsesseln und maurisch ornamentierten Hockern ausgestatteten Räumen bei einer Tasse Mokka wie ein arabischer Scheich fühlen, bedient von Personal, das als Beduinensklaven verkleidet war: ein Traum vom kolonialen Orient.

In dem Gebäude wurde von Christian Winter mit der »Düsseldorfer Wunderhalle« auch das erste Düsseldorfer Kino eröffnet. Ab 1904 wurden »lebende Bilder« gezeigt, zunächst als Panoptikum mit Panoramen, Abnormitäten und Folterkammer. Ab 1906 gab es bis zu 15 Minuten dauernde Filme (»Kurzes Glück, lange Reue«). Aus dem Orchestergraben erscholl dazu Musik. Das damalige Nitrat-Filmmaterial war nicht ungefährlich, und so gab es ab und zu eine Explosion. Das Haus war von 9–23 Uhr durchgehend geöffnet.
Das Kino gab den Anstoß zur Kinemato-Meile Graf-Adolf-Straße. Im selben Komplex, zur Oststraße hin, entstand 1909 das Palast-Theater, ein Kino mit monumentalem Portal und eleganter Einrichtung.

Das pittoreske Arabische Café wurde bereits 1911 geschlossen. Das Gebäude wurde verändert und schließlich 1928 abgerissen, um für das »Europahaus« Platz zu schaffen, mit dem Kaufhaus DeFaKa (Deutsches Familien-Kaufhaus) und dem »Europa-Palast«, einem großen Erstaufführungskino der UFA mit 1600 Plätzen. Es eröffneten weitere Kinos um die Graf-Adolf-Straße; bis in die 1990er Jahre war sie in Düsseldorf die Adresse für Kino-Gänger.

Das Europahaus wurde im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört, der Europa-Palast bestand aber bis 1963. In den 1950er Jahren war über die Stelle des ehemaligen Cafés hinweg eine Nord-Süd-Achse durch die Innenstadt geschlagen worden: die Berliner Allee. An der neu entstandenen Ecke eröffnete 1966 das Kaufhaus Horten mit der typischen Fassade mit Kacheln von Egon Eiermann, wo der Kaufhaus-König Helmut Horten gern mal im Rolls Royce vorfuhr. 1998 übernahm Galeria Kaufhof die Horten AG, 2014 wurde das Haus geschlossen und erwartet nun nach umfangreichen Umbauten die Neueröffnung als THE CROWN.

Der Europa-Palast um 1930

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