Künstlerverein Malkasten

Upcoming events

  • 27-10-20 19:00 - 17-01-21 22:00

     

    Zur Eröffnung der Skulpturenausstellung im Malkastenpark am Dienstag 1. September 2020 um 19 Uhr laden wir Sie herzlich ein.

     

    SKULPTURENAUSSTELLUNG

    Jaana Caspary, Felix Contzen, Alexander Föllenz, Jonas Hohnke, Yi Zheng Lin, Vera Lossau,

    Wilhelm Mundt, Mercedes Neuß,

    Martin Schwenk, Paul Schwer,

    Viktoria Strecker & Severin Spengler, Emil Walde

    kuratiert von Wilko Austermann

  • 27-10-20 19:00 - 27-10-20 22:00

    Im Pandemiejahr 2020 ist alles anders. Eine ursprünglich im Januar für den März geplante Aktion stellt nun aus einer völlig anderen Perspektive die Frage, wie Begegnungen mit Kunst und Menschen in der neuen Zeit aussehen können?  Das wechselhafte Schicksal der aus Vormärz und Aufklärung hervorgegangenen deutschen Demokratiebewegungen zeichnet sich mehr als deutlich am von den lokalen Akteuren selbst organisierten Künstlerverein Malkasten ab. Seit seiner Gründung 1848 liefert dieser durch Auseinandersetzung mit der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf, der überregionalen Kunstszene sowie der überaus rezeptionsfreudigen Bürgerschaft der Stadt aufschlussreiche Belege für ein medien- und kulturhistorisches Gesamtbild. Wie demokratierelevant ist die Rolle der Künstlerschaft

    Entstanden ist MALKASTEN REVISITED, eine medienkulturhistorische Ausstellung an einem einzigen Abend, die sich sowohl aus den Tiefen des Archivs des Künstlerverein Malkasten speist, als auch die Entwicklungen der letzten dreissig Jahre  bis in  die  digitale  Gegenwart  zeigt.  Gestritten haben die Malkästler schon immer gern, sagt die Archivarin des KVM Sabine Schroyen geduldig lächelnd. Überaus zahlreich sind aber auch die künstlerischen Impulse und Initiativen der letzten Jahre, als man seit dem Neuanfang Anfang der 1990er Jahre versuchte, das Gewicht der bleiernen Nachkriegszeit und die Schatten der Nazivergangenheit und andere von der Zeit längst überholte Traditionen hinter sich zu lassen oder neu zu formulieren. Ab 1978 nahm der KVM endlich auch weibliche Mitglieder auf, heute ist der  Vorstand  mit vier Frauen  paritätisch  und  der  Wirtschaftsbeirat  mit  zwei  Frauen  doch immerhin deutlich diverser gestaltet, als es noch kurz vor dem Aufbruch ins 21. Jahrhundert möglich erschien. In diesem Ringen im  Impulse künstlerischer,  aber  auch  bürgerlicher  Teilhabe  im Kontext  der  Stadtgesellschaft  ersucht  sich  der  Malkasten  immer  wieder  neu  zu  positionieren. Aktuell stellen sich erneut existentielle Zukunftsfragen.

    Vor zwanzig Jahren baute Claus Föttinger im Jacobihaus seine mittlerweile zum wiederholten Male von ihm selbst restaurierte JB´s-Bar, eine soziale Plastik inspiriert vom Namensgeber Joseph Beuys und Mittelpunkt etlicher Künstlerfeste. Föttingers  Bars, in denen er immer wieder gesellschaftlich relevante Themen  verhandelt,  führen Menschen an unterschiedlichsten  Orten zusammen und  bilden den Kern seiner Kunstpraxis. Nicht nur als Bar, sondern auch als Lampe, Tisch, Stuhl, Wand oder Screensaver agieren seine Werke in den Zwischenräumen dieser sozialen und oft auch musealen Konstruktionen als „Trojaner“, wie es die Medienwissenschaftlerin und Künstlerkollegin Susanne Ristow schon 2015 nennt. Schon lange vor der Corona-Pandemie führten sie und der Kritiker und Ex-Galerist Martin Bochynek mit Claus Föttinger in dessen Atelier auf der Ackerstrasse ein „Kulturvirologisches Gespräch“ mit dem Titel „Ein Trojaner aus Nürnberg“ über Fragen nach Virus und Viralität am Beispiel der Arbeiten des Künstlers (Katalog-Pdf mit zahlreichen Werkfotos im Anhang). Darin spricht Föttinger selbstironisch vom „SPD-Effekt“ seiner Arbeit an der künstlerischen Bewältigung massenmedialer Bilderfluten. Die fünf Jahre später aus diesem Gespräch entstandene Videoskulptur MALKASTEN REVISITED spiegelt seine Methode, Massenkultur, soziale Problematik und die Neuverhandlung von Demokratie im Kontext von Archivbeständen zu thematisieren.

    Das Screening am 27.10.2020 in Ristows performativen Dialogformat
    MBULANZ///////DOC  SU  & TRICKSTER speist sich aus ca. 6000 Bildmotiven aus historischem Malkastenarchiv, Dokumentationen zu Parkhaus, Motiven aus Ristows kulturvirologischer Forschung, sowie Fotos und Einladungskarten von Aktivitäten der letzten dreissig Jahre in Jacobihaus, Theatersaal, Künstlerkeller, Restaurant, Bar und Malkastenpark. Über zahlreiche Videobeamer projiziert bildet dieses von Hand gefilterte kulturelle Gedächtnis ein sich permanent in Form und Position veränderndes digitales Wallpaper, das mithilfe des Zufalls stets neue assoziative Verknüpfungen in Größe und Zuordnung generiert.

    Dafür verwandelt Föttinger das Jacobihaus als „quasi entmieteten Malkasten“ in ein „Haunted House“, wie er  es ausdrückt.

    Zeitgleich öffnet das Parkhaus im Malkastenpark mit der Präsentation eigener Werke des langjährig vor allem als Kurator tätigen Künstlers Karl Heinz Rummeny. Hier wird die bestehende Ausstellung an diesem Abend von Föttingers Screening überlagert. Mit dieser direkten Kooperation erinnert Susanne Ristow aka Doc Su an ihre erste kulturvirologische Lecture Performance auf Einladung des Kollegen bei der Quadriennale 2014 in der Schau ANOTHER PLACE/ ANOTHER SPACE/ TOGETHER. Analoge Begegnungen und persönliche Kommunikation wie sie Ristows Dialogformat der AMBULANZ anbietet, erscheinen nach der Selbstisolation der vergangenen Monate wichtiger denn je. Denn im Coronajahr 2020 funktionieren eingeübte Praktiken des sozialen Umganges auf einmal nicht mehr, Claus Föttinger erscheint dies als „Zeitenwende einer vermehrt eventbasierten Kulturrezeption“ und das von ihm gefilterte Archivmaterial kommentiert angesichts des  zunehmendenRechtsradikalismus im dreißig Jahre wiedervereinigten Deutschland auch unsere Demokratie auf dem Prüfstand.  Höchste Zeit also für eine Revision und die Rückkehr an einen wichtigen Ort gemeinsamer Düsseldorfer

    Kunst- und Demokratiegeschichte, wo auf kontroverse Weise die Selbstdarstellung des Malkastens seit 1848 gezeigt und die Frage gestellt wird, welche Konzeption sich daraus für heutige und kommende Generationen ergeben könnte. Auffällig bei der Durchsicht des Bildmaterials der letzten zwanzig Jahre waren die vielen Kinder und ihre Familien, die den Malkasten besuchten. Für sie und uns alle bietet MALKASTEN REVISITED die Gelegenheit, sich am 27.10. zu Föttingers „digitalem Lagerfeuer“ in Jacobihaus, Parkhaus und dem dazwischengelegenen Park unter den nun üblichen Coronaschutzregeln einzufinden und vielleicht auch zu wärmen oder erhitzen.

    Ganz besonderer Dank für das Zustandekommen dieser zeitbasierten sozialen Plastik gilt Sabine Schroyen,  der  Archivarin  des  Künstlerverein  Malkasten  und  allen,  die  zum  Gelingen  des  Projektes beigetragen haben.

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