Kunst im Viertel: Interview mit punktkommastrich

Im kommenden Heft beschäftigt sich D-Mitte mit der Kunstszene in unserem Viertel. Zwischen Wehrhahn und Bahnhof sowie von der Ackerstraße bis runter zur Berliner Allee haben hier viele Künstler ihre Ateliers sowie Galerien, Off-Rooms und Kunstvereine ihren Sitz. D-Mitte hat mit einigen von ihnen gesprochen und sie über den Status Quo der Kreativen im Quartier befragt. Einer der Gesprächspartner war das Künstlerkollektiv punktkommastrich, kurz pks, das seine Räumlichkeiten an der Erkrather Straße hat.

D-Mitte: Welches Konzept steckt hinter der Ateliergemeinschaft?
Wir sind ein Kollektiv von momentan 8 Künstlern, Designern oder Illustratoren. Wir teilen uns Büro, Werkstatt, Atelier und alles was da drin ist, arbeiten aber jeder an eigenen Projekten. Gemeinsam betreiben wir die Galerie im Erdgeschoss und starten verschiedene Projekte im Kunst- und Kulturbereich.

D-Mitte: Wie kommt eine Ausstellung zu Stande?
Entweder kommen Leute auf uns zu oder wir erarbeiten eigene Ausstellungskonzepte, die wir gerne realisieren möchten. Dann wird ein Termin gefunden und die Aufgaben verteilt! Je nach dem, wer wie viel Zeit und Kapazitäten hat, entscheiden wir wie die Planung aussehen und die Verantwortungen verteilt werden soll.

D-Mitte: Wer kann Teil von punktkommastrich werden? Muss ich Künstler sein, um mich beteiligen zu können?
Jeder der einen Platz zum kreativen Arbeiten sucht und Bock hat mit uns an neuen Projekten als Team Mitglied zu arbeiten kann mitmachen! Momentan haben wir auch noch einen Platz zu vergeben und freuen uns auf Besuch oder Mails mit Ideen von Bewerbern. Einfach melden!

D-Mitte: Ab wann gilt jemand für pks als Künstler, der es verdient hat, einen eigenen Platz im Atelier zu erhalten? Gibt es Vorgaben – direkter formuliert: Darf man machen, was man will, solange man sich an der Miete beteiligt oder muss eine stete Beteiligung bzw. ein Schaffensprozess gegeben sein?
Jeder kann hier im Grunde machen, was er will und den Platz so nutzen, wie es für seine Arbeit passt – ohne da bewertet zu werden oder Vorgaben zu bekommen. Wir sind jedoch auch ein Kollektiv und haben Interesse an den jeweils anderen Mitgliedern und arbeiten eben auch gemeinsam am kollektiv Projekt punktkommastrich, das sollte zumindest nicht komplett hinten angestellt sein und erfordert etwas Engagement, damit es gelingt.

D-Mitte: Was unterscheidet euch von anderen Kollektiven?
Jeder hat bei uns die Möglichkeit sein eigenes Ding zu machen. Wir vereinen Kunstschaffende, Designer, Illustratoren, Schreiber und Fotografen mit der gemeinsamen Leidenschaft im Viertel einen Kulturraum für Besucher zu schaffen.

D-Mitte: Wie sieht der typische Tag im Atelier aus? Gibt es überhaupt eine Art Routine untereinander oder macht jeder alles nach seiner Fasson?
Da jeder einen sehr unterschiedlichen Tagesrhythmus und unterschiedliche berufliche Verpflichtungen und Projekte hat, ist es unter der Woche ein Ein und Aus nach eigener Fasson.Wir kommen jedoch regelmäßig vollständig zusammen und sprechen uns auch ab, insbesondere wenn es um gemeinsame Veranstaltungen geht. Einen typischen Ablauf könnte man jedoch nicht richtig beschreiben, da unsere Veranstaltungen und Kleingruppen, die sich innerhalb des Kollektivs zur Veranstaltungsplanung bilden, immer variieren.

D-Mitte: Wann findet die nächste Veranstaltung bzw. Ausstellung von pks statt?
„Drei Hälften – ein Ganzes.“ Ausstellung vom 15. bis zum 29.09.17.
Ausstellungstext: Gerd, Pomes und Topic: Eine Crew, die keine ist, mit Graffiti, das keines sein soll. Mit der Dose begonnen, bei der Grafik gelandet und zum Sprühen zurückgekehrt. 15 – 30 als Ziel eines halben Weges, der seine Spuren hinterlassen hat, grafisch, geometrisch und abstrakt. Durchzogen von Linien ohne klare Form. Ein Schaffensprozess nur dazu da, um dekonstruiert zu werden. Unter gemeinsamer Flagge.

D-Mitte: Wer gehört aktuell zur Gemeinschaft und was ist sein aktuelles Projekt?
Daniel Heil – freischaffender Künstler / Maler /Atelier
Dennis Weber – ___Thek / Grafikdesign
Kaspar van der Water – Callshop Radio
Kilian van der Water – Animationen / Illustrationen / Grafik
Kj263 – Wandgestaltung / Grafikdesign / Illustrationen
Marian Fitz – Grafikdesign
olga + m05k – wepaintthings Kollektiv / Illustrationen / Typografie / Wandgestaltung

D-Mitte: Oftmals heißt es, die freie Szene sei eine bedrohte Art. In Berlin ging das so weit, dass Kulturschaffende eine eigene Koalition gegründet haben, um ihren Forderungen Ausdruck zu verleihen. Fühlt ihr euch sicher und gut in die Kulturpolitik integriert?
Nein. Für uns findet der Austausch auf persönlicher Ebene mit anderen Etablissements, Off Locations oder anderen Kunst- und Kulturschaffenden ab, mit denen wir zusammen kommen, zusammen arbeiten oder zusammen planen.

D-Mitte: Was würdet ihr euch für die (freie) Kulturszene in Mitte wünschen? Was fehlt?
Wünschenswert für gesundes Wachstum einer Kunst- und Kulturszene in Düsseldorf wären mehr frei nutzbare Räume in denen sich Kulturschaffende ausbreiten können und die Möglichkeit haben Ideen umzusetzen. Dazu sollte es eine höhere Toleranz der Behörden für die Zwischennutzung von leerstehenden Räumlichkeiten geben. Oftmals werden diese direkt privatisiert und an Investoren verkauft und bleiben zunächst ungenutzt, anstatt sie der „freien Szene“ zur Zwischen- oder Dauernutzung für kulturfördernde Projekte zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommt die stetige Gentrifizierung. Dadurch geht die Verbindung zu den Studierenden und Universitäten verloren. Den freischaffenden Künstlern und angehenden Kreativen sollte die Möglichkeit gegeben werden in den Kreativquartieren der Stadt wohnen bleiben zu können.

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