Was sind eigentlich »chinesische Samstagsschulen«?

An chinesischen Samstagsschulen wird den Schülern chinesische Sprache und chinesische Kultur vermittelt. Der Unterricht findet fast ausschließlich am Samstag statt und umfasst zwei oder drei Unterrichtsstunden. Die Schüler haben diesen Unterricht zusätzlich zu ihrem normalen Schulunterricht während der Woche. Die Schüler kommen zumeist aus Familien, in denen die Eltern oder ein Elternteil aus der VR China oder Taiwan stammen.

In Düsseldorf und Neuss gibt es vier chinesische Samstagsschulen. Die vier Schulen entstanden seit 1989. Sie sind für viele Chinesen in Düsseldorf ein Stück Heimat. Hier lernt man sich kennen, hier trifft man sich samstags vor und nach dem Unterricht, hier feiert man zusammen das chinesische Neujahrsfest. Die chinesischsprachige Auslandsgemeinde in Düsseldorf ist heterogen, das zeigt sich bei Entstehungsgeschichte und Elternschaft der vier Schulen.

Die Lehrer erhielten ihre akademische Ausbildung in der VR China oder auf Taiwan, allerdings haben nicht alle eine Lehrerausbildung. Das Schulgeld beträgt jährlich mindestens 280 Euro. Davon müssen vor allem die Lehrer und die Miete an die Stadt Düsseldorf bzw. Neuss für die Nutzung der Schulräume bezahlt werden.

  • Die Formosa Chinesische Sprachschule wurde im Jahr 2004 in Düsseldorf von einigen Müttern aus Taiwan und Hongkong als e.V. gegründet. Der Unterricht findet im Geschwister-Scholl-Gymnasium an der Redinghovenstraße 41 statt. Die Schule hat 70 Schüler. Die Schüler stammen zum großen Teil aus taiwanesischen Familien.Die Unterrichtsinhalte richten sich weitgehend nach den Vorgaben des taiwanesischen Schulsystems. Die Schulbücher kommen aus Taiwan. Es werden die traditionellen Schriftzeichen unterrichtet, dazu die taiwanesische Transkription Zhuyin und parallel Pinyin.Viele Schüler nehmen an der taiwanesischen Sprachprüfung TOCFL teil.
  • Die Rhein-Taipei-Chinesische Schule in Neuss-Reuschenberg entstand 1998 auf Initiative taiwanesischer Geschäftsleute, nachdem sich in der Region Düsseldorf zunehmend taiwanesische Firmen niederließen. Der Unterricht findet in der Gesamtschule an der Erft in der Aurinstraße 59 statt. Die Schule hat 110 Schüler. Die Schule orientiert sich ebenso wie die Formosa Sprachschule in Düsseldorf bei Unterrichtsinhalten, Schulbüchern, verwendeten Schriftzeichen und der TOCFL-Sprachprüfung an Taiwan.
  • Der Chinakreis NRW wurde 1989 durch chinesischsprachige Flüchtlinge aus Vietnam gegründet, die in den 1970er Jahren nach Deutschland kamen. Der Unterricht findet im Lessing-Gymnasium an der Ellerstraße 84 statt. Auch diese Schule orientiert sich bei Unterrichtsinhalten, Schulbüchern und Schriftzeichen an Taiwan.Die Schule hat 40 Schüler. Mehr als die Hälfte der Schüler kommen aus vietnamesischen Familien, ebenso sind die Lehrer vietnamesischen Ursprungs. Hochchinesisch ist für viele Schüler eine Fremdsprache, da bei ihnen zu Hause Kantonesisch oder Deutsch gesprochen wird. Die Schülerzahlen stagnieren momentan, da die Vietnamesen oft schon in dritter Generation in Deutschland leben und mit zunehmender Integration wie die Deutschen immer weniger Kinder haben.
  • Die Hanyuan Chinesische Schule Düsseldorf GmbH wurde 2010 gegründet. Sie ist die größte Schule und wird im folgenden Artikel beschrieben.

Bernd Westermann

Foto: Bernd Obermann

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