Versteckte Schönheiten im Quartier: ein Rundgang

Mein Urgroßvater hatte nebenan eine Brauerei mit Ausschank. Die Arbeiter aus den umgebenden Fabriken tranken ihr Feierabendbier hier, wenn sie ihren Lohn ausbezahlt bekamen.«

Oliver Gather, der Nachkomme des Brauereibesitzers, erzählt die Geschichte des Worringer Platzes und wendet sich ein wenig wehmütig seinen Zuhörern zu. Das Düsseldorfer Bahnhofsquartier hat zum Rundgang durch das Viertel eingeladen. Ganz nach dem Motto: Wir setzen uns für das Quartier ein und bringen die Menschen, die hier leben und arbeiten zusammen.

Reinhard Röseler hat acht Stationen ausgesucht, die beispielhaft für die Eigentümlichkeiten des Viertels sind. Viele Orte müssen regelrecht entdeckt werden. Sie liegen versteckt in Hinterhöfen, oder aber man weiß gar nicht, was sich hinter einzelnen Einrichtungen verbirgt. Deshalb treffen die Stadtrundgänger an jeder Station einen Experten, der die Besonderheiten dieses Ortes erklärt. So erfahren die Teilnehmer vieles, auch aus der Historie des Reviers.

»Der Wandel der Stadt erschließt sich oftmals durch die Veränderung der vertrauten Orte, die zwar im Gedächtnis noch vorhanden, jetzt aber nicht mehr da sind«, erläutert Röseler. So ist heute der Worringer Platz nicht nur ein viel diskutierter Verkehrsknotenpunkt. Eine Künstlergruppe, unter ihnen Oliver Gather, initiiert hier auch seit über zehn Jahren die unterschiedlichsten Projekte mit Events und Happenings. Im Mittelpunkt jeweils das von ihnen erbaute Glashaus.
gasthofworringerplatz.de

In der zweiten Station, dem Tanzhaus, empfängt Kathrin Weitzel die Gruppe. Sie ist seit acht Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und erzählt die Geschichte des Tanzhauses: vom Anfang in der Börnestraße bis heute, hier auf dem alten Depotgelände der Rheinbahn mit einem Platz von 4.000 Quadratmetern, 300 verschiedenen Kursen pro Woche und über 180 Gastspielen pro Jahr.
tanzhaus-nrw.de

Die Krahestraße 20, nächste Station, überrascht die Rundgänger. Die renovierten Fassaden erinnern mit ihren Bemalungen an den Maler und Architekten Friedensreich Hundertwasser. Das dort beheimatete Café du Kräh ist nicht nur Café. »Hier finden Veranstaltungen, Kurse und gemeinsame generationsübergreifende Feiern der Nachbarschaft statt«, sagt die Geschäftsführerin Ingrid Hermann. Platz dafür ist auch in dem gemeinsamen Mietergarten, der in den Hinterhöfen anstelle von Garagen und Werkstätten geschaffen wurde.
cafedukraeh.de
gute-nachbarschaft-ev.de

In der Ackerstraße wird hauptsächlich die Künstlerszene angetroffen. Zum Beispiel das Studio for Artistic Research (Ackerstraße 33) mit seinen diversen Ausstellungen.
studioforartisticresearch.tumblr.com

Oder Vivian Hackbart, die seit fast 30 Jahren ebenfalls in der Ackerstraße 33 mit ihrem Modedesign-Atelier tätig ist, wo sie individuelle Kleidung für die Weiblichkeit entwirft und produziert.
http://vivian-hackbarth.de
Das Atelier in der Ackerstraße 15 ist die Arbeitsstätte gleich für mehrere Künstlerinnen. Von denen berichtete Erika Anna Schumacher über die Möglichkeiten, welche sich in diesen Räumlichkeiten bieten.
erika-anna-schumacher.de

Auch der Kampfsport ist in der Ackerstraße 15 angesagt. Kurse für Shaolin Kung-Fu, Tai Chi Chuan, Chun Shin und Kinder Kung-Fu werden angeboten. Lahcen Jmouh, der Inhaber der Schule, gibt einen kurzen Überblick über die einzelnen Kampfsportarten.
dragon-school.de
Unsere letzte Station des Rundgangs war das Hotel Friends am Worringer Platz. Die jetzige Empfangshalle beherbergte vor einigen Jahren noch einen Supermarkt. Jetzt hat das Hotel auf diesen rund 700 Quadratmetern aufgestellt, was wir aus unseren Schulzeiten kennen: aus der Turnhalle, den Klassenräumen, der Aula. Es sieht so aus, als wollte hier demnächst ein Schulmuseum seine Besucher anlocken. Die gemütlichen Sofas, Sessel und Stühle laden zum Verweilen ein. So konnten sich die Teilnehmer des Rundganges zum Abschluss ein Glas Bier gönnen und gleichzeitig die einzelnen Stationen gemeinsam Revue passieren lassen.
hotelfriends.de


Fassadenkunst an der Krahestraße

Barbara Kempnich (Diakonie) und Robert Modliborski
(IN VIA) Bahnhofsmission
Telefon 0211 3558137
duesseldorf@bahnhofsmission.de
Neele.behler@diakonie-duesseldorf.de

Gerresheimer Straße 35
Telefon 0152 53 033 736
http://www.diakonie-duesseldorf.de
Respekt und Mut
Bastionstraße 6
Telefon 0211 95757794
E-Mail: volker.neupert@respekt-und-mut.de
http://respekt-und-mut.de

Über Rundgänge dieser Art können Sie sich bei verschiedenen Anbietern informieren:

 Das Glashaus am Worringer Platz
 Künstlerstudio an der Ackerstr. 33
 Die Lobby im Hotel Friends

Die Problemplätze im Bahnhofsviertel prägen sein Image wesentlich mit. Veränderungen sind notwendig. Es gab hierzu verschiedene Wettbewerbe und Ausschreibungen, die aber in der Versenkung verschwunden sind. Der große Wurf war offenbar nicht dabei.

Diese nicht zufriedenstellende Situation hat auch historische Ursachen. Norbert Kaiser beschreibt sie in seinem Exkurs und folgert daraus, welche Maßnahmen für den Worringer- und Bahnhofsvorplatz gezogen werden sollten. Diese stellen wir zur Diskussion. Zum Thema gehören zwei Artikel über die Geschichte des Worringer Platzes und des Hauptbahnhofs.

Weiter beschreiben Simone Steinborn und Jürgen David das Projekt EKISO und wie es zu Verbesserungen im Viertel beitragen kann.

Die ISG Graf-Adolf-Straße berichtet über ihre Eigen-initiative von dort ansässigen Geschäftsleuten, die das Gesicht der Straße verändert hat.

Die Beiträge betrachten dieselbe Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln; sie mögen in einigen Punkten auch widersprüchlich sein. Gemeinsam haben sie, dass sie die Diskussion über Veränderungen in unserem Viertel weiter unterstützen und vorantreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.