Hoffnung am Bahnhof?

Foto: Stadtarchiv Düsseldorf

Die Umgebung machte den Platz: Bahnhofsvorplatz 1935
Der Bahnhofsvorplatz: Düsseldorfs lange vernachlässigter Haupteingang und Platz mit dem dichtesten Kaufkraftpotential. Nun bewegt sich was. In Richtung Aufwertung des Platzes oder Aufwertung des Wertes?
Es gibt viele Fragen, aber bislang wenig konkrete Antworten. Hoffnung macht, dass jetzt das Problem in größerem städtebaulichen Zusammenhang angegangen werden soll, statt sich an Teilbereichen abzuarbeiten.

Stillstand
Es gab immer wieder Vorschläge zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Teils sehr interessant, aber insgesamt mit dem Mangel, dass der Platz isoliert und nicht im städtebaulichen Zusammenhang mit dem Bahnhofsviertel betrachtet wurde. Solange der Bahnhofsvorplatz von Problemzonen wie Worringer Platz und Mintropplatz flankiert wird, kann man seinen Zustand nur dekorieren.

Die Vorschläge landeten aber nicht deshalb im Keller des Planungsamts. Die Deutsche Bahn AG blockierte alle Initiativen zur Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, weil sie Eigentümer des größten Teils ist und diesen auch nach ihr eigentümlichen Vorstellungen nutzt. Interessen ihrer über 200.000 Kunden, die den Platz täglich überqueren müssen oder soziale Verantwortung der Gaststadt gegenüber standen nie auf der Agenda. Auf dem Platz direkt vor dem Eingang wurden Junk-Food-Büdchen geparkt. Die machen leichtes Geld ohne eigene Investition – drei Buden € 400.000 pro Jahr, so die RP am 22.11.2016. Ein attraktives Geschäftsmodell.

Bewegung
Jetzt reden Bahn und Stadt über einen Plan. Noch sind die Ziele unübersichtlich. Bereits am 14.09.2016 berichtete der »Express« von einem Geheimplan: Gastronomiemeile auf dem Bahnhofsvorplatz. Am 28.11.2016 berichtete die Rheinische Post von einem umfassenden Plan für den Gesamtbereich des Hauptbahnhofs. Durch neue Baumaßnahmen im Quartier sowie durch eine vorgesehene Erweiterung des Personennahverkehrs erwartet man eine höhere Nutzungsdichte des Bahnhofsvorplatzes.

Insoweit ist eine Neuordnung angebracht, um die Fußgängerströme zu lenken. Da ist man sich anscheinend einig. Das Amt für Verkehrsmanagement soll nun herausfinden, wie viel Funktionsfläche für die Fußgänger und deren Weiterbeförderung gebraucht wird und wie viel dann zur Gestaltung übrig bleibt. (Müssen Funktionsflächen nicht gestaltet werden?)

Die Frage nach Entfernung der lukrativen Büdchen und Kompensation der Mietausfälle bleibt offen. Vielleicht lag da der Express mit seiner Vermutung nicht falsch, dass die Gestaltung auf den Restflächen durch eine »schicke« Gastronomiemeile (Plural von Fressbuden) als Kompensation des Mietausfalls realisiert werden soll.

Die RP gibt noch einen Hinweis auf ein nebulöses Hotelprojekt der Bahn auf dem Gelände des Immermannhofs gegenüber dem Vorplatz. Da sollen Hochhaustürme entstehen. Baurecht gegen Büdchen? Klar ist nur, da sind noch viele Fragen offen am Bahnhofsvorplatz. Klar ist aber auch: Da geht es nicht um einen schönen Platz im städtebaulichen Sinne, da geht es um Kommerz. Nirgendwo in Düsseldorf gibt es eine konzentriertere Kaufkraft. Da inspiriert das erprobte Geschäftsmodell zur Multiplikation.

Hoffnung
Der Plan soll unter enger Bürgerbeteiligung erarbeitet werden und den erweiterten Bahnhofsbereich umfassen. Das macht Hoffnung. Abzuwarten bleibt, wie weit der Bereich wirklich gesteckt wird und ob die angrenzenden Problemzonen insgesamt einbezogen werden.

Der Bürger hat die Möglichkeit, zusammenhängende Lösungen zu fordern und das Verhältnis zwischen Kommerz und städtebaulicher Qualität eines Platzes mitzubestimmen. Sich für einen Platz einzusetzen, der seine Kraft und seine Spannung aus seiner Leere und der Attraktivität des Umfeldes zieht.

Die Entscheidung ist zu treffen, ob der Bahnhofsvorplatz ein Platz oder ein weiterer Marktplatz (Haben wir Hungersnot?) werden soll. Hoffnung macht jedenfalls das jetzt im Planverfahren begriffene Projekt Harkortstraße, das solche Überlegungen mit einbezieht.

Annäherung an den Mintropplatz
Von einem attraktiven, freien Platz ist wohl auch der Investor der Neubebauung zur Harkortstraße (Hotel und Gastronomie) ausgegangen, der sein 100-Millionen-Projekt am rechten Rand unmittelbar an die Gleise bauen will. Mit der Stadt hat er ein sogenanntes Qualitätssicherungsverfahren durchgeführt. Dies ist abgeschlossen. Das Ergebnis eines Wettbewerbs wurde jetzt Basis für ein Bebauungsplan-Verfahren, das bereits die erste Bürgeranhörung durchlaufen hat – leider ohne Bürger. Dabei ist das Verfahren exemplarisch.

Im Qualitätssicherungsverfahren waren die Bearbeitungsgrenzen noch Bahnhofsvorplatz und Harkortstraße. Die Neubebauung sollte dazwischen lediglich eine attraktive, fußläufige Verbindung schaffen. Bahnhofsvorplatz und Mintropplatz – die Ausgangspunkte dieser Passage – waren nicht Gegenstand des Verfahrens. Die Architekten greeen! architects hatten sich natürlich mit den Endpunkten beschäftigt und Vorschläge für eine weitgehende Umgestaltung von Mintropplatz und Harkortstraße gemacht. Diese werden jetzt in die Diskussion des Bebauungsplanes eingeführt.

Inwieweit sich die Ideen umsetzten lassen, wird das weitere Verfahren zeigen. Jedenfalls brauchte das ein Mittun der Bürger, denn der Mintropplatz mit der beklagenswerten Mauer als Stützwand für die Feuerwehrrampe zu den Bahngleisen und die Einfädelung in die Unterführung Eller Straße brauchen ohnehin eine neue Lösung. Nur mit einer Revitalisierung des Mintropplatzes wird die Passage zum Bahnhofsvorplatz für das Quartier Sinn machen.

Norbert Kaiser

Freie Fläche und freie Sicht auf dem Bahnhofsvorplatz
Entwurf: greeen! architects, Düsseldorf
 Passage zum Bahnhof von Harkortstraße/Mintropplatz
Entwurf: greeen! architects, Düsseldorf
Abb: greeen! architects, Stadt Düsseldorf
 Fotos: Stadtarchiv, Andrea Wark, wikimedia.org/Wgrm1981

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