EKISO: Stadt-Akupunktur

Der Bahnhofsvorplatz als »Tor zur Stadt« und das Bahnhofsumfeld als Wegeverbindung in Richtung Innenstadt der Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens sollen gestalterisch schöner und für Besucher, Anlieger und Händler attraktiver werden!

Dies hat der Rat der Stadt Düsseldorf durch seine Zustimmung zum Entwicklungskonzept Innenstadt Süd-Ost (EKISO) am 19. Juni 2008 beschlossen. Mit diesem Beschluss wurde die Unterstützung durch Bund und Land Wirklichkeit.

Durch die Chance der finanziellen Unterstützung durch das Land NRW mit dem Förderprogramm »Aktive Stadt- und Ortsteilzentren« (60% Landesförderung, 40% Eigenanteil der Stadt) konnte das städtebauliche Projekt gestartet werden. Die Erfahrung aus der Vergangenheit hat gezeigt, dass der reine bauliche Umbau von Gebäuden, die Sanierung von Fassaden sowie die Aufwertung der Plätze und Freiräume einhergehen muss mit der Beteiligung der ortsansässigen Anliegerschaft; das mentale und auch finanzielle Engagement ist wichtig, um nachhaltige Aufwertungserfolge zu erzielen.

Nach einer Auftaktveranstaltung zur Information über das Entwicklungskonzept im November 2008 im Sparkassen-Forum an der Berliner Allee wurde durch die Stadtverwaltung ein externes Stadtplanungsbüro beauftragt, den Stadtteil fundiert nach Stärken und Schwächen zu erkunden. Die daraus gewonnenen Kontakte wurden ab Februar 2010 in regelmäßigen Quartiersgesprächen gefestigt.

In vier Quartieren des Gebietes wurden Eigentümer, Anwohner, Einzelhändler und sonstige Interessierte eingeladen, nach ihren Änderungswünschen befragt und zur weiteren Mitarbeit aufgefordert.

In zwei Quartieren kam es dann Ende 2010/Anfang 2011 mit Unterstützung des beauftragten Büros, welches als Moderator und Organisator diente, zur Bildung von Immobilien- und Standortgemeinschaften. Sie dienen als Ansprechpartner der Stadtverwaltung für die beabsichtigten gestalterischen Verbesserungen und Vor-Ort- Ansprechpartner für die am Stadtquartier interessierten Bürger.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen aus der sehr intensiven Bürgerpartizipation wurde im Juli 2011 ein erster Förderantrag für das Jahr 2012 gestellt. Um aus der Vielzahl der gewonnen Anregungen und Maßnahmenvorschläge ein städtebauliches Gestaltungskonzept zu entwickeln, wurden im Mai 2012 drei Landschaftsarchitekturbüros eingeladen.

Nach Prüfung der Entwürfe im August 2012 und der anschließenden Kostenprüfung fiel die Entscheidung auf das Konzept der punktuellen Eingriffe. Dies bedeutet, dass aus finanziellen Gründen kein flächendeckender Umbau stattfinden kann, die Fördergelder jedoch ganz gezielt und komprimiert an besonderen Stellen eingesetzt werden. Diese Stellen dienen für die Fußgänger als Trittsteine auf dem Weg Richtung Innenstadt. Wie Scheinwerfer besondere Begebenheiten betonen, sollen die besonderen Begebenheiten des Gebietes wie durch ein Spot-Licht näher betrachtet werden, um so mit gestalterischen Verbesserungen die Identität und Qualität zu steigern.

Aus städtebaulicher Sicht leiten vier »Verbindungsachsen« – die Graf-Adolf-, die Bismarck-, die Friedrich-Ebert- und die Immermannstraße – zur Innenstadt: Die bereits aufgewertete Geschäftsstraße Graf-Adolf-Straße, die Mobilitätsachse Friedrich-Ebert-Straße, die Fahrradstraße und Spazierweg Bismarckstraße und der Boulevard Immermannstraße. Die typischen Merkmale der Straßen sollen durch die Maßnahmen markanter herausgestellt werden.

Die konkreten Örtlichkeiten, die Festlegung der besonderen Stellen im Stadtgebiet, sind in einer folgenden Öffentlichkeitsarbeit gemeinsam mit interessierten Anliegern und weiteren interessierten Bürgern bestimmt worden.

Nach einer Informations-Veranstaltung im Theater Central im Dezember 2013 wurde mit drei Gruppen in Stadtspaziergängen das Gebiet erkundet und durch Mitmachaktionen die prägnanten Begebenheiten herausgefiltert. In anschließenden Workshops wurden diese Erkenntnisse gemeinsam mit Landschaftsarchitekten zusammengefasst und in der direkten Rückmeldung mit den Teilnehmenden erste collageartige Ideen zur Gestaltung zusammengestellt.

Für die Friedrich-Ebert- und Bismarckstraße legten die Workshop-Teilnehmenden durch Markierung mit grünen Klebepunkten die Bereiche fest, die für einen Umbau im Fokus stehen sollen.

Diese Ideen wurden planerisch skizzenhaft gebündelt und nach erneuter Rückkoppelung mit den Bürgern in einer Abendveranstaltung Ende Januar 2014 im Theater Central wurden die Planer beauftragt, diese Ideen zu konkreten Entwürfen weiterzuentwickeln.

Im Vorlauf der folgenden Antragsstellungen sind in Zusammenarbeit verschiedener Akteure der Stadtverwaltung aus den Bereichen Stadtplanung, Gestaltung des öffentlichen Raums, Grünflächen- und Verkehrsplanung mehrere Arbeitsschritte notwendig:
Nach detaillierter Planung von drei Landschaftsarchitekten und einem Verkehrsplaner und Prüfung durch verschiedenste Abteilungen und Ämter in der Verwaltung, sowie Einholung der politischen Beschlüsse, können die Unterlagen den jährlichen Anträgen für die Förderung hinzugefügt werden.

Der Ablauf, von Antragsstellung der Förderung über Bewilligung bis zur Bereitstellung der Gelder durch die Bezirksregierung und die Stadt, stellt eine besondere koordinatorische und zeitliche Herausforderung dar.

Parallel zu der Förderantragsprüfung durch die Bezirksregierung wird die vertiefende Planung, die zur Bauausführung notwendig ist, durch die Fachbüros weiter detailliert. Nach Bewilligung der Gelder und erneuter politischer Beschlussfassung zur Ausführung kann mit der Realisierung begonnen werden.

Unwägbarkeiten in der Planungsphase, Abstimmung der Bautätigkeiten mit flankierenden Maßnahmen anderer Institutionen, wie zum Beispiel der Stadtwerke Düsseldorf, können den Realisierungszeitraum beeinflussen.
Eine weitere Möglichkeit zur Aufwertung des städtebaulichen Erscheinungsbildes stellt seit November 2013 die Förderung durch das Fassaden- und Begrünungsprogramm dar. Hier können Eigentümerinnen und Eigentümer einer Immobilie durch die Neugestaltung von Hausfassaden und Begrünungsmaßnahmen das Stadtbild verschönern und somit helfen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Einige der folgenden EKISO-Bereiche sind bereits fertig gestellt, auf weitere Plätze können Sie sich freuen:
Graf-Adolf-Straße zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Harkortstraße (2015)
Die Graf-Adolf-Straße wurde im Jahr 2007 zwischen Graf-Adolf-Platz (Hochhaus GAP 15) bis zum Stresemannplatz als Maßnahme der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Graf-Adolf-Straße, d. h. auch unter finanzieller Einbeziehung der Anlieger und des Einzelhandels vor Ort, erfolgreich umgebaut. Als erster Baustein des Gesamtprojektes EKISO wurde in 2015 der noch fehlende Teilbereich zum Konrad-Adenauer-Platz gestalterisch an die begonnene Aufwertung der Graf-Adolf-Straße angeschlossen.

Durch die Neuordnung von Stellplätzen wurde der Fußgängerbereich verbreitert, um mehr Platz zur Orientierung und zum kurzen Aufenthalt zu bieten. Das Erscheinungsbild wurde durch eine Vereinheitlichung des Stadtmobiliars sowie eine Erneuerung des Plattenbelages und der Baumscheiben harmonisiert. Durch die verstärkte Gehwegmastbeleuchtung in diesem Bereich wird eine Torwirkung erzielt. Die Graf-Adolf-Straße vom Konrad-Adenauer-Platz gesehen zeigt sich mit einer einladenden Geste.

Theatermarke Central (2016)
Der Vorplatz Central als Eingangsbereich eines Spielortes des Düsseldorfer Schauspielhauses erfährt nach Wünschen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung eine Aufwertung durch eine signébildende »Stadtmarke«. Zudem erhält der Vorplatz mehr Radabstellplätze und die Beleuchtungssituation wird verbessert.

Die ca. vier Meter hohe Theatermarke übernimmt einerseits eine abgrenzende Funktion gegenüber dem sich dahinter befindlichen Stellplatzbereich und dient als Kommunikationselement für die Theaternutzung im Central.

Andererseits stellt sie eine von weitem sichtbare Stadtmarke dar, die auf diese Kultureinrichtung hinweisen soll. So können die Corporate Identity des Schauspielhauses oder z.B. Programmhinweise über Displays oder Texte in fotorealistischer Darstellung der Öffentlichkeit vermittelt werden.

Worringer Platz (vorauss. 2017)
Zehn Jahre nachdem die Innenfläche des Worringer Platzes unterstützt durch eine breite Öffentlichkeitsbeteiligung eine aufwertende Umgestaltung erfahren hat, erhalten nun die äußeren Gehwegbereiche ein neues Erscheinungsbild: Durch ein unterschiedliches Fugenbild und Farbkontrast der Betonsteinplatten wird rings um den Platz ein gestalteter Promenadenstreifen geschaffen. Hier dient ein mittig verlegter, heller, kleinformatiger Stein gleichzeitig als kontrastierender Farbstreifen für Sehbeeinträchtigte.

Das übergeordnete Hauptradwegenetz wird in die Gestaltung integriert. Zur Steigerung der bereits an vielen Stellen gestalterischen Qualität des Platzinnenbereichs werden die vorhandenen Lichtbänke und der vorhandene identitätsstiftende Mast, der »Grüne Strahl« saniert, intensiviert und Beleuchtungskörper in energiesparende LED-Lichttechnik umgewandelt.

Zur Steigerung der besseren Übersichtlichkeit des Platzinnenbereiches und des subjektiven Sicherheitsempfindens wird die starke Rahmung durch hohe Bank-Rückenlehnen aufgebrochen: Die südlich angeordnete Lichtbank ist in eine Hockerbank umgewandelt worden. Die positiven Auswirkungen der temporären Kunstaktionen rund um das Glashaus, die erweiterte Gastronomie »Grüne Insel«, die in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Aufwertung des Platzes geführt haben, werden mit diesen Maßnahmen unterstützt.

Friedrich-Ebert-Straße zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Karlstraße mit dem Platz vor dem Immermannhof (2016) und zwischen Karlstraße und Steinstraße (vorauss. Ende 2017)
Die Friedrich-Ebert-Straße erfährt im Bereich zwischen Konrad-Adenauer-Platz und Karlstraße (1. Abschnitt) eine gesamtheitliche Umgestaltung. Für den weiteren Verlauf von der Karlstraße bis zur Berliner Allee (2. Abschnitt) sind dagegen nur kleinere optimierende Maßnahmen der Beleuchtung, der Überwege und der Ausstattung, sowie die Markierung von Radschutzstreifen vorgesehen.

Der erste Abschnitt der Friedrich-Ebert-Straße (Konrad-Adenauer-Platz bis Karlstraße) und der Vorplatz Immermannhof werden als ›Tor zur Innenstadt‹ eine gestalterische Einheit bilden und die fußläufige Orientierung in Richtung Innenstadt stärken. Im Straßenraum steht hier die Stärkung des ÖPNV im Vordergrund: Der motorisierte Individualverkehr wird herausgenommen, Busse, Anlieger, Lieferverkehr und Radfahrer dürfen weiterhin diesen Teil der Friedrich-Ebert-Straße nutzen.

Die fußläufige Verbindung zwischen Bahnhof und Altstadt wird durch die Verbreiterung der Gehwege und die Neupflanzung einer zweiten Baumreihe entlang der südlichen Häuserfront aufgewertet. Die Haltestellen werden barrierefrei ausgebaut. Parallel zur Straße nehmen lineare Funktionsbänder alle räumlichen Elemente wie Bäume, Wartehallen, Sitzelemente, Fahrradständer, Müllbehälter und eine neue öffentliche WC-Anlage auf. Die Radwegeverbindung über die Friedrich-Ebert-Straße bietet zur bestehenden Fahrradstraße Bismarckstraße eine bedarfsgerechte zusätzliche Fahrradwegeverbindung Richtung Innenstadt.

Der Platz vor dem Immermannhof an der Kreuzung Friedrich-Ebert- Straße und Karlstraße wird durch die wegfallende erhöhte Rasenfläche ein nutzungsoffener, übersichtlicher Platz als Trittstein auf dem Weg zur Innenstadt. Die ebene, mit ornamentalen Intarsien gestaltete Fläche wird mit Judasbäumen bepflanzt, die mit ihrem Wuchs und dem pinkfarbenen Blütenaspekt dem Platz eine charakteristische Aussage geben.

Im inneren Platzbereich werden sogenannte Platzintarsien eingesetzt: In ein geflammtes, gespaltenes Pflaster aus Basalt werden in Metall gefasste Polygone aus geschliffenem Bitu-Terrazzo eingestreut. LED-Lichtbänder rahmen die Polygone ein und sorgen für eine attraktive Nachtwirkung. Eine Möglichkeit für Außengastronomie wird geschaffen, die Wertstoffcontainer werden unterirdisch platziert.

Im zweiten Abschnitt der Friedrich-Ebert-Straße von der Karlstraße bis zur Berliner Allee wird durch punktuelle Einzelmaßnahmen vor allem durch Erneuerung des Mobiliars eine gestalterische Vereinheitlichung und Führung erreicht. Die Straßenbeleuchtung der Friedrich-Ebert-Straße wird insgesamt verbessert. Auf der gesamten Friedrich-Ebert-Straße werden neue, hellere und energieeffizientere LED-Leuchten an den vorhandenen Seilen eingesetzt.

Bismarckstraße
Neben der Friedrich-Ebert-Straße ist die Bismarckstraße ebenfalls eine der Hauptwegebeziehungen Richtung Innenstadt. Sie ist ausgewiesene Fahrradstraße im Radwegenetz der Stadt Düsseldorf. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung wurde auch der Bismarck-straße großes Potential zu mehr Gestaltqualität bescheinigt. Hierfür sind derzeit noch keine Fördergelder vorhanden.

Immermannstraße (vorauss. 2017)
Die übergeordnete gestalterische Idee für die Immermannstraße im Gehwegbereich ist ein ruhigeres Erscheinungsbild in Form von Reduktion und Neuordnung, Stärkung des Boulevardcharakters, ein neues Lichtkonzept, Verlegung der Außengastronomie an die Hausseite und Schaffung vier neuer Aufenthaltsbereiche im Sinne sogenannter Möblierungsteppiche in den Gehweg-Aufweitungen der vier Kreuzungsbereiche Kreuz-, Ost-, Charlotten- und Karlstraße.

Das Lichtkonzept sieht eine neue technische Straßenbeleuchtung, die Inszenierung der Platanen mit Bodenscheinwerfern und neue Gehwegleuchten vor, sodass die gesamte Beleuchtungssituation und Verkehrssicherheit deutlich verbessert wird. Im Zuge der Neuordnung des Gehwegbereichs werden umgewidmete, vermüllte Pflanzkübel abgeräumt, die vorhandene Ausstattung, wie Mülleimer, Poller und Fahrradständer, durch neue und bewährte Standardobjekte ersetzt und ergänzt.

Die Baumscheiben werden von Unterwuchs befreit, gelockert, revitalisiert. Die bestehenden oberirdischen Wertstoffcontainer werden im Sinne der Kriminalprävention durch Unterflurcontainer ersetzt.

Die Gestaltung der vier neuen Möblierungsteppiche als Aufenthaltsbereiche ist von der japanischen Faltkunst Origami inspiriert, als kleine Hommage an die japanische Community in Düsseldorf. Ein Möblierungsteppich umfasst jeweils einen neuen Pflasterteppich aus polygonalen Pflastersteinen, ein seniorengerechtes Sitzelement, einen Bestandsbaum und einen besonderen Ausstattungsgegenstand, be-
stehend aus einer Bestandsuhr oder einer besonderen Leuchte.

Das bestehende Touristische Orientierungssystem aus Wegeleit- und Zielstelen soll auf der Immermannstraße durch weiterentwickelte Wegeleit- und Zielstelen ergänzt werden. Sie machen auf das japanische Viertel aufmerksam und zeigen den Weg vom Hauptbahnhof in die Innenstadt und umgekehrt.

Jürgen David
Simone Steinborn

Ansprechpartner:
Jürgen David
(Stadtplanungsamt)
hansjuergen.david@duesseldorf.de
Simone Steinborn
(Amt für Verkehrsmanagement, Gestaltung des öffentlichen Raums)
simone.steinborn@duesseldorf.de

Das Ekiso-Gebiet

 Lage des Gebietes in der Innenstadt

 Stadtspaziergang

 Workshop
 Mitmachaktion »Mein Focus«
Erste Skizzen

 Verkehrsplanung Graf-Adolf-Straße
 Vorplatz Central, Theatermarke
Planung Worringer Platz
 Planung Friedrich-Ebert-Straße, 1. Abschnitt
 Planung Platz vor dem Immermannhof

oben und rechts: Planung Immermannstraße
Abb.: EKISO
Fotos: Ute Lambertz

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